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Interview: „Mehr Feuer würde uns guttun“

28.04.2019

Konstantin Kuhle gab folgendes Interview für die Süddeutsche Zeitung (https://www.sueddeutsche.de/
politik/konstantin-kuhle-mehr-feuer-wuerde-uns-guttun-1.4424908):

„Mehr Feuer würde uns guttun“

Der junge FDP-Politiker Konstantin Kuhle fordert mehr Empathie von seiner Partei.

Konstantin Kuhle gilt als moderner Kopf in der FDP, der einstige Vorsitzende der Jungen Liberalen kommt mit manchen Thesen selbst bei den Grünen gut an. Der 30-jährige Bundestagsabgeordnete spricht im Interview darüber, wie die FDP mit mehr Empathie wieder zweistellige Wahlergebnisse erreichen kann.

SZ: Warum ist die FDP bei Themen wie Klima und Gleichberechtigung, die den Parteitag beherrscht haben, gefühlt so spät dran?

Konstantin Kuhle: Wenn alle Parteien zum selben Ergebnis kämen, wäre das eine schlechte Nachricht für den Wettbewerb der Ideen. Es muss auch jemanden geben, der beim Klima auf Technologieoffenheit und Wettbewerb setzt. Und bei der Gleichberechtigung gibt es viele Frauen, die sich von der FDP wünschen, nicht durch eine starre Quote auf ihr Geschlecht reduziert zu werden.

Was müsste die FDP leisten, um wieder zweistellige Werte zu erreichen?

Die Grünen haben die Eigenschaft der Empathie nicht für sich gepachtet. Die FDP muss stärker deutlich machen, welchen inneren Antrieb und welche Werte sie zugrunde legt. Unsere neue Generalsekretärin Linda Teuteberg hat in ihrer Rede deutlich gemacht, dass Menschen in Ostdeutschland respektvoll und auf Augenhöhe behandelt werden möchten. Diese Einstellung ist der richtige Weg.

Im Europa-Wahlkampf wird bisher aber nur mit wenig Verve gegen jene Populisten gekämpft, die Europa schwächen wollen. Schlafwandeln viele Deutsche, wenn es um Europa geht?

Ja, ich würde mir mehr Leidenschaft bei der Verteidigung europäischer Werte wünschen. Wir sollten uns vergegenwärtigen, mit welcher Hoffnung jüngst bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine für eine europäische Perspektive des Landes gestritten worden ist. Ein bisschen mehr Feuer würde auch uns guttun.

Die Liberalen und Emmanuel Macron kämpfen in Europa bislang Seite an Seite. Gilt das auch nach seinen jüngsten Ankündigungen, mit denen er auf die Gelbwestenproteste reagiert hat?

Liberaler als Macron wird es in Frankreich nicht. Dass die FDP nach der Europawahl mit der Partei des französischen Präsidenten zusammenarbeiten möchte, gilt weiterhin. Die Gelbwestenproteste haben allerdings gezeigt, dass eine Politik zur Rettung des Klimas nicht zu einer Entfremdung von Stadt und Land führen darf. In Deutschland sind viele Menschen im ländlichen Raum auf das Auto angewiesen.

Wovor muss sich die EU derzeit am meisten fürchten?

Die EU muss sich am meisten Sorgen darüber machen, dass nationale Alleingänge als realistische Option angesehen werden. Deutschland wird weder das Klima alleine retten noch die Migrationspolitik ohne andere gestalten können. Hinzu kommt, dass nationale Abschottung, wie beim Brexit, gerade in Zeiten einer schwächeren Konjunktur handfeste wirtschaftliche Nachteile für die Menschen mit sich bringt.

Was muss die FDP leisten, um zur Verhinderung dieser Szenarien beizutragen?

Ich wünsche mir, dass die FDP unmissverständlich und engagiert für europäische Lösungen eintritt. Die letzte Überarbeitung der europäischen Verträge ist zehn Jahre her und stammt aus einer Zeit vor der Euro-Krise und vor der Flüchtlingskrise. Es ist Zeit für einen neuen europäischen Verfassungskonvent, der Vorschläge für eine Reform der EU macht.