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Interview: „Junge Menschen und ihre Interessen sind im Parlament schlicht unterrepräsentiert“

20.07.2017

KASSEL. Im Rahmen der diesjährigen Sommertour der Jungen Liberalen (JuLis) gab der JuLi-Bundesvorsitzende der „Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen“ das nachfolgende Interview für deren gestrige Ausgabe (Seite 20). Die Fragen stellte Ulli Riedler.

Die FDP ist, im Vergleich zu Grünen und SPD, bei jungen Leuten nicht gerade beliebt. Wie überzeugt man eine junge Wählerschaft?
KUHLE: Das war mal richtig, stimmt so aber nicht mehr. Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hat keine andere Partei in keiner Wählergruppe so viel hinzugewonnen wie die Freien Demokraten bei Erst- und Jungwählern. Und bei uns Jungen Liberalen sind seit Januar fast 1300 neue Mitglieder beigetreten. Der Trend stimmt also. Sicher auch, weil wir uns dafür einsetzen Wohnraum für Studienanfänger zu schaffen, die nach Kassel oder Göttingen ziehen und dort keine Wohnung finden. Weitere Themen, für die wir uns einsetzen, sind elternunabhängiges Bafög, Netzausbau und Digitalisierung. Das alles hat ganz konkret mit dem Leben junger Menschen zu tun. Und da brauchen wir ein paar neue Ideen, weil wir mit ziemlich vielen alten Konzepten gescheitert sind.

Machen nicht viele Parteien Politik vorbei an den Interessen der Jungen und richten sie an der älteren Generation als Wählerklientel aus?
KUHLE: Ja, das ist so. Im Bundestag ist ein einziger Abgeordneter unter 30. Das Durchschnittsalter liegt bei 50. Dabei soll das Parlament das ganze Volk repräsentieren. Junge Menschen und ihre Interessen sind im Parlament schlicht unterrepräsentiert. Das sieht man zum Beispiel daran, dass jetzt wieder darüber gesprochen wird, wie man nach der Bundestagswahl neue Rentengeschenke verteilen kann. Bevor jedoch neue Rentengeschenke verteilt werden, sollten wir lieber in Bildung und in die Qualifikation junger Menschen investieren.

Tauschen Sie sich mit anderen Parteien in punkto Generationengerechtigkeit aus?
KUHLE: Man kennt sich und steht im Austausch miteinander. Was die Priorität von Bildung und Digitalisierung sind wir uns einig. Aber die Konzepte, die von der SPD-, der Grünen- oder mitunter auch von der CDU/CSU-Jugend vorgeschlagen werden, unterscheiden sich schon deutlich von unserer Auffassung.

Die FDP stand für Steuerentlastung. Wofür sollte sie zur Bundestagswahl trommeln?
KUHLE: Schwerpunkt ist die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Es geht darum, dass in den nächsten vier Jahren die entscheidenden Weichen dafür gestellt werden, dass es uns auch als junger Generation in Zukunft besser geht. Neben Bildung und Digitalisierung geht es auch darum, die Errungenschaften von Europa, wie offene Grenzen, zu verteidigen. Es geht darum, eine Gründerkultur zu etablieren. In Deutschland haben wir eine rückläufige Gründerquote. Dabei lebt dieses Land davon, dass es viele kleinere und familiengeführte Betriebe gibt. Da einen Schritt nach vorne zu gehen, ist eine Frage von Modernität.