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Newsletter: Bekämpfung von Kindesmissbrauch – Effektive Aufklärung und Prävention

13.01.2021

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder sind mit die schwersten Straftaten, welche in unserer Gesellschaft vorkommen. In diesem Zusammenhang ist es nur allzu verständlich, dass die Öffentlichkeit in hohem Maße an der Aufklärung und Bestrafung solcher Taten interessiert ist. Der Gesetzgeber hat diesem Faktum Rechnung getragen, indem er für diese Schwere ein Strafmaß zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Die Urteile in den Fällen Lügde und Gladbach zeigen, dass der Rechtsstaat in der Lage ist, die Täterinnen und Täter zu ermitteln und angemessen zu bestrafen.

 

Das Ziel einer effektiven Bekämpfungsstrategie muss daher sein, das Entdeckungsrisiko für Täterinnen und Täter spürbar zu erhöhen. Eine gute Ausstattung der Behörden mit IT-Fachkräften und der nötigen Technik ist zwingend nötig, um Straftaten, insbesondere im Bereich der Kinderpornografie, aufzuklären. Daneben müssen die technischen Aspekte der Ermittlungen erleichtert und deutlich mehr im Bereich der Prävention getan werden. Ein koordiniertes Vorgehen von Bund und Ländern ist vonnöten.

 

Um die betroffenen Kinder bestmöglich schützen zu können, müssen wir Taten bereits im Vorfeld verhindern oder zumindest Missbrauch und Gewalt gegen Kinder so schnell wie möglich aufdecken. Eine besondere Rolle kommt hierbei den Jugendämtern zu. Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind deutschlandweit in vielen Behörden mit einer großen Anzahl von Fällen ausgelastet. Das verringert das Entdeckungsrisiko für Täter. Statt einer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierten PR-Kampagne zur Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung der Jugendämter bräuchte es deshalb viel eher eine durchweg gute Personalausstattung.

 

Auch die Gerichte müssen in die umfassende Präventionsstrategie eingebunden werden. Richterinnen und Richter oder Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die im sensiblen Bereich des Familien- und Jugendrechts tätig sind, müssen ausreichend geschult sein, um Fälle von Missbrauch und Gewalt möglichst früh zu erkennen. Es ist die Aufgabe der Gerichte, Kinder im Notfall aus ihren Familien herauszunehmen, um sie vor Schaden zu schützen. Die bisherigen Regelungen, wonach Richterinnen und Richter ein Jahr Berufserfahrung vorweisen müssen, um in diesem Bereich eingesetzt zu werden, reichen nicht aus, um die hierfür nötige Lebenserfahrung sicherzustellen. Stattdessen braucht es eine Fortbildungspflicht für Richterinnen und Richter sowie für Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Berufseinsteiger müssen für diese Fortbildungen freigestellt werden.

 

Schulen kommt bei der Prävention von Gewalt und Missbraucht eine besondere Bedeutung zu. Deshalb sollten Schulen einen Missbrauchsbeauftragten einsetzen, welcher bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch Kontakt zu Jugendämtern und Polizei aufnimmt. Gerade in Brennpunktschulen darf es nicht den einzelnen Lehrerinnen und Lehrern überlassen werden, Fälle von möglicher Gewalt oder gar Missbrauch zu melden.

 

Zuletzt muss sichergestellt sein, dass Präventionsprojekte ausreichend gut finanziert und für Hilfesuchende auch erreichbar sind. Vorbildhaft kann hier das Projekt „Kein Täter werden“ der Berliner Charité genannt werden. Auch hier zog sich der Bund jedoch in der Vergangenheit mehr und mehr aus der Finanzierung zurück. Das ist der falsche Weg, wenn wir Missbrauch von Kindern auch zukünftig bereits im Vorfeld der Tat verhindern wollen.